Melodien des Frühlings: Vogelstimmen erkennen und lernen

In den frühen Morgenstunden, wenn die Welt noch in sanftes Licht gehüllt ist und die Natur langsam erwacht, beginnt im Frühling ein ganz besonderes Konzert: Die Gesänge der Vögel läuten den Tag ein und erfüllen die Luft mit wunderschönen Melodien. Nach und nach steigt eine Vogelart nach der anderen in das Vogelorchester ein und beginnt ihr Lied in den Frühlingsmorgen zu schmettern. Für ungeübte Ohren klingt es wie ein lebhaftes, fröhliches Chaos, und die Unterscheidung der einzelnen Vogelstimmen scheint ein schier unmögliches Unterfangen zu sein. Doch wer sein Gehör trainiert und lernt, die einzelnen Vogelstimmen voneinander zu unterscheiden, dem erschließt sich eine ganz neue Welt.

Vögel anhand ihrer Gesänge bestimmen: die Königsdisziplin der Ornithologie

Jedes Jahr im Frühling setzen sich viele Menschen das Ziel, die verschiedenen Vogelstimmen zu lernen. Doch dieses Vorhaben erweist sich oft als herausfordernd und nicht wenige geben wieder auf. Das Erkennen und Unterscheiden der einzelnen Stimmen ist keine leichte Aufgabe und wird nicht umsonst als Königsdisziplin der Ornithologie bezeichnet. Angesichts der Vielzahl von Vogelarten erscheint es für Anfänger oft nahezu unmöglich, sich in dem Stimmwirrwarr zurechtzufinden. Viele Vogelrufe ähneln sich stark, während andere Vögel eine solche Vielfalt an Gesängen aufweisen, dass es schwierig ist, sich an eine klare Melodie zu erinnern. Dennoch sollte man nicht verzagen, denn es gibt verschiedene Hilfsmittel, die das Erlernen der unterschiedlichen Vogelstimmen erleichtern können. Es empfiehlt sich dabei, nicht ausschließlich auf eine Methode zu setzen, sondern verschiedene Ansätze zu kombinieren, um erfolgreich zu sein.

 

Die besten Tipps und Tricks zum Erlernen von Vogelstimmen

1. Geduld ist das A und O beim Lernen der Vogelgesänge

Vogelstimmen lernt man nicht von heute auf morgen. Es handelt sich bei der Fülle an unterschiedlichen Vogelarten vielmehr um einen Marathon als einen Sprint. Deshalb ist es wichtig sich nicht zu überfordern und schrittweise vorzugehen. Für den Start sollte man sich nicht allzu viele Vögel auf einmal vornehmen, sondern sich auf einige wenige Arten konzentrieren. Die besten Fortschritte macht man, wenn man die kleinen Piepmätze häufig antrifft und beobachtet. Besonders sinnvoll sind also für den Anfang Vogelarten, die beispielsweise regelmäßig an der Futterstelle  erscheinen. So hat man auch den Vorteil, dass man den Vogel gegebenenfalls sogar sehen kann, wenn er gerade singt. Damit verbindet man die Töne mit einem Bild, was den Lernerfolg fördert.

 

2. Vogelstimmen zum Lernen immer wieder anhören

Den wenigsten Menschen reicht es, eine Vogelstimme nur einmal zu hören, um sie sich dauerhaft einzuprägen. Vielmehr gleicht es dem Lernen von Vokabeln. Wieder und wieder muss man sich die Rufe und Gesänge anhören, damit man sie in der Natur erkennen und unterscheiden kann. Am besten nutzt man dafür Tonaufnahmen der Singvögel. Es ist ratsam, dabei abwechslungsreiche Aufnahmen zu verwenden, da kein Vogel dem anderen gleicht. Sie haben unterschiedliche Dialekte und Vorlieben was ihren Gesang anbelangt.

Wichtig ist dabei zu beachten: Tonaufnahmen von Vogelgesängen dürfen im Freien nur mit Kopfhörern gehört oder alternativ sehr leise abgespielt werden. Da ihre Gesänge unter anderem der Revierverteidigung dienen, bedeutet es für die Vögel großen Stress, wenn sie mit Aufnahmen anderer Artgenossen konfrontiert werden.

Einen sehr guten Überblick mit 502 Artenporträts, 1.873 Rufen und Gesängen und über 2.000 Einzelsonagrammen findet man auf der DVD "Die Stimmen der Vögel Europas".

 

3. Mit hilfreichen Apps zum Vogelstimmen-Profi

Wer die kleinen Gesangskünstler direkt auf dem Smartphone dabei haben möchte, hat die Möglichkeit, auf verschiedene Apps zurückzugreifen. Diese nutzen mitunter unterschiedliche Lernansätze wodurch es Sinn machen kann, die Apps auch zu kombinieren. Viele der Apps bieten zudem Unterstützung bei der visuellen Identifizierung der Vögel sowie Hintergrundinformationen zu ihrem Verhalten. Zu den populärsten Apps gehören die NABU Vogelwelt, Merlin Bird ID, BirdID - European bird guide, BirdNET und einige andere.

 

4. Merksätze und Eselsbrücken stärken die Erinnerung an die Vogelgesänge

Ein weiteres beliebtes Hilfsmittel beim Unterscheiden der Vogelstimmen ist die Verwendung von Merksätzen und Eselsbrücken. Diese Sätze ahmen den Klang des Vogelgesangs nach und übersetzen ihn in die menschliche Sprache. So singt beispielsweise die Goldammer „Wie, wie, wie hab ich dich liiieb!“, während der Buchfink entweder lautstark nach Bier verlangt „Wo, wo, wo, bleibt denn mein Weizenbier?“ oder sich über die aktuelle Politik beschweren möchte: „Ich, ich, ich schreib einen Brief an die Regierung!“. Und der kleine Zaunkönig mit seinem lautstarken Organ macht seinem Namen alle Ehre. Mit stolz aufgestelltem Schwanz verkündet er: „Ich, ich, ich bin drrrrr König, bin ich, ich zizizi bin, bin drrrr König, bin ich!“

 

Letztlich gilt, egal welche Hilfsmittel und Tricks man verwendet, es gibt viele Möglichkeiten sich dem Ziel „Vogelstimmen zu erkennen“ anzunähern und diese zu lernen. Und man sollte sich immer vor Augen halten, auch wenn das Vogelkonzert anfangs überwältigend wirkt: Es lohnt sich dran zu bleiben! Jeder Ruf und jeder Gesang trägt dazu bei, die Welt der Vögel ein Stückchen besser zu verstehen.

Wir wünschen viel Freude beim morgendlichen Vogelkonzert!

Bild: phototrip.cz – stock.adobe.com

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